Das Universum als Dunkler Wald
Der chinesische Science-Fiction-Autor Liu Cixin formulierte eine der beunruhigendsten Hypothesen: Der Kosmos ist ein dunkler Wald, in dem jede Zivilisation ein bewaffneter Jäger ist, der sich zwischen den Bäumen hindurchschleicht.
Zwei Schlüsselaxiome: 1) Überleben ist die oberste Priorität jeder Zivilisation; 2) Die Ressourcen des Kosmos sind endlich. Daraus folgt, dass jede entdeckte Zivilisation eine potenzielle Bedrohung darstellt und die sicherste Strategie darin besteht, als Erster zuzuschlagen.
Spieltheoretische Analyse
Das Modell zeigt, wie selbst bei moderater Aggressionswahrscheinlichkeit die Zahl der Überlebenden dramatisch sinkt. Die «Kette des Misstrauens» macht Kooperation nahezu unmöglich: Selbst wenn eine Zivilisation friedlich ist, kann sie nicht sicher sein, dass die andere es auch ist — und die andere kann das von ihr ebenfalls nicht wissen, und so weiter ins Unendliche.
Die Dunkler-Wald-Hypothese bietet eine der elegantesten Erklärungen für das Fermi-Paradoxon: Die Außerirdischen sind da draußen, aber sie schweigen absichtlich — denn jedes Signal könnte ihr Todesurteil sein. Die beunruhigende Konsequenz: Unser eigenes aktives Senden von Signalen ins All (METI) könnte extrem gefährlich sein.