Gini-Koeffizient-Simulator: Lorenz-Kurve & Einkommensungleichheit-Visualisierung

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Gini ≈ 0,33 — moderate Ungleichheit bei Pareto α=2

Mit den Standardparametern (Pareto α=2, 1000 Population, keine Umverteilung) liegt der Gini-Koeffizient bei etwa 0,33, was moderate Ungleichheit anzeigt. Das oberste 1 % hält ungefähr 10 % des Gesamteinkommens, die unteren 50 % etwa 30 %. Umverteilung komprimiert die Lorenz-Kurve in Richtung der Gleichheitslinie.

Formel

Gini = 1 - 2·∫₀¹ L(x)dx
For Pareto distribution: Gini = 1/(2α - 1)
Pareto CDF: F(x) = 1 - (x_m/x)^α for x ≥ x_m
Lorenz curve: L(F) = 1 - (1-F)^(1-1/α)

Ungleichheit messen

Wie ungleich ist eine Gesellschaft? Der Gini-Koeffizient, 1912 von Corrado Gini eingeführt, gibt eine Antwort als einzelne Zahl auf einer Skala von 0 (perfekte Gleichheit) bis 1 (perfekte Ungleichheit). Er wird aus der Lorenz-Kurve abgeleitet, die 1905 von Max O. Lorenz vorgeschlagen wurde und den kumulativen Einkommensanteil gegen den kumulativen Bevölkerungsanteil aufträgt, geordnet von den Ärmsten zu den Reichsten.

Die Lorenz-Kurve

Die 45-Grad-Diagonale repräsentiert perfekte Gleichheit — jeder Prozentsatz der Bevölkerung hält denselben Prozentsatz des Gesamteinkommens. Die tatsächliche Einkommensverteilung erzeugt eine Kurve, die unter dieser Linie durchhängt. Die Fläche zwischen Gleichheitslinie und Lorenz-Kurve (in der Visualisierung rot schattiert) bildet die Grundlage für den Gini-Koeffizienten: Gini = 2-mal diese Fläche. Ein tieferer Durchhang bedeutet mehr Ungleichheit.

Paretos Potenzgesetz

Der italienische Ökonom Vilfredo Pareto beobachtete 1896, dass Einkommensverteilungen einem Potenzgesetz folgen — heute als Pareto-Verteilung bekannt. Der Formparameter Alpha (α) steuert die Ungleichheit: Bei α = 2 beträgt der Gini-Koeffizient 1/(2·2-1) = 0,33 (moderate Ungleichheit). Wenn α sich 1 nähert, wird die Ungleichheit extrem; steigt α, wird die Verteilung gleichmäßiger. Diese mathematische Beziehung verbindet eine fundamentale Verteilungsannahme mit messbarer Ungleichheit.

Der Effekt von Umverteilung

Der Umverteilungsregler modelliert ein vereinfachtes Steuer-Transfer-System: Ein Anteil des Gesamteinkommens wird eingezogen und gleichmäßig an alle Bürger umverteilt. Selbst bescheidene Umverteilung komprimiert die Lorenz-Kurve deutlich in Richtung Gleichheit. In der Praxis nutzen Länder progressive Einkommensteuern, Vermögenssteuern und Sozialtransfers (Gesundheitswesen, Bildung, Renten) zur Umverteilung. Die nordischen Länder erreichen Gini-Koeffizienten um 0,25 durch Umverteilungsraten von etwa 25–30 % des BIP.

Vermögen nach Quintilen

Das Balkendiagramm rechts teilt die Bevölkerung in fünf gleich große Gruppen (Quintile). In hochungleichen Gesellschaften kann das oberste Fünftel 60 % oder mehr des Gesamteinkommens halten, während das unterste Fünftel weniger als 5 % hält. Thomas Pikettys bahnbrechendes Werk Das Kapital im 21. Jahrhundert (2014) dokumentierte, wie die Ungleichheit in den meisten entwickelten Nationen seit den 1980er-Jahren gestiegen ist, wobei der Einkommensanteil des obersten 1 % Niveaus erreicht hat, die seit dem Gilded Age nicht mehr gesehen wurden.

Häufige Fragen

Was ist der Gini-Koeffizient?

Der Gini-Koeffizient ist ein Streuungsmaß, das Einkommens- oder Vermögensungleichheit auf einer Skala von 0 (perfekte Gleichheit — alle haben dasselbe Einkommen) bis 1 (perfekte Ungleichheit — eine Person hat alles) darstellt. 1912 vom italienischen Statistiker Corrado Gini entwickelt, wird er als das Doppelte der Fläche zwischen der Lorenz-Kurve und der Linie der perfekten Gleichheit berechnet.

Was ist eine Lorenz-Kurve?

Die 1905 von Max O. Lorenz entwickelte Lorenz-Kurve stellt den kumulativen Einkommensanteil (y-Achse) gegen den kumulativen Bevölkerungsanteil dar, geordnet von den Ärmsten zu den Reichsten (x-Achse). Bei perfekter Gleichheit wäre die Kurve eine 45°-Diagonale. Je weiter die Kurve unter dieser Linie durchhängt, desto größer die Ungleichheit. Der Gini-Koeffizient gleicht dem Doppelten der Fläche zwischen Lorenz-Kurve und Gleichheitslinie.

Was ist eine Pareto-Verteilung?

Die nach Vilfredo Pareto (1896) benannte Pareto-Verteilung modelliert die empirische Beobachtung, dass Einkommens- und Vermögensverteilungen einem «Potenzgesetz» folgen — ein kleiner Anteil der Menschen hält einen unverhältnismäßig großen Anteil. Der Formparameter α steuert den Grad der Ungleichheit: niedrigeres α bedeutet schwerere Ränder und extremere Ungleichheit. Für eine Pareto-Verteilung gilt Gini = 1/(2α-1).

Welche Gini-Koeffizienten haben reale Länder?

Nach aktuellen Daten: Nordische Länder (Dänemark, Schweden, Norwegen) haben Gini-Koeffizienten um 0,25–0,28. Deutschland und Frankreich liegen bei etwa 0,30–0,33. Die USA bei ca. 0,39–0,41. Brasilien bei etwa 0,53. Südafrika hat einen der höchsten mit ca. 0,63. Diese Unterschiede spiegeln unterschiedliche Niveaus der Markteinkommen-Ungleichheit und Umverteilung durch Steuern und Transfers wider.

Quellen

Einbetten

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