Survivorship-Bias-Simulator: Warum Gewinner irreführende Geschichten erzählen

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Survivorship-Bias: Überlebende scheinen jährlich ~5–8 % mehr zu verdienen als die Realität

Mit 200 Unternehmen über 10 Jahre bei 85 % jährlicher Überlebensrate überleben etwa 40 Unternehmen. Diese Überlebenden zeigen dramatisch höhere Durchschnittsrenditen als die Gesamtpopulation, weil Unternehmen mit schlechten Renditen eher scheitern und aus dem Datensatz verschwinden. Genau so werden Fondsperformance-Statistiken, unternehmerische Erfolgsgeschichten und historische Analysen durch den Survivorship-Bias verzerrt.

Formel

P(survive all years) = survival_rate^years
Survivor return = mean(annualized returns | survived)
True return = mean(annualized returns | all companies)
Bias gap = survivor return - true return

Was ist der Survivorship-Bias?

Der Survivorship-Bias ist eine der heimtückischsten Formen der Auswahlverzerrung. Er tritt auf, wenn wir Schlussfolgerungen aus einem Datensatz ziehen, der nur Einheiten enthält, die einen Prozess «überlebt» haben — Unternehmen, die nicht bankrottgegangen sind, Fonds, die nicht geschlossen wurden, Menschen, die erfolgreich waren — während wir die weit größere Zahl derjenigen ignorieren, die gescheitert und unsichtbar geworden sind.

Das Wald-Flugzeugproblem

Die berühmteste Veranschaulichung stammt aus dem Zweiten Weltkrieg. Das US-Militär untersuchte zurückkehrende Bomber und fand Einschusslöcher in bestimmten Bereichen konzentriert. Die naheliegende Empfehlung war, diese Bereiche zu verstärken. Doch der Statistiker Abraham Wald erkannte den kritischen Fehler: Die Daten repräsentierten nur Flugzeuge, die überlebt hatten. Die Bereiche ohne Einschusslöcher waren die Stellen, an denen Flugzeuge getroffen wurden und nicht zurückkehrten. Wald empfahl, die unbeschädigten Bereiche zu panzern — eine brillante Umkehrung, die Leben rettete und zum kanonischen Beispiel des Survivorship-Bias-Denkens wurde.

Wie die Simulation funktioniert

Dieser Simulator erstellt eine Kohorte von Unternehmen, die jeweils bei einem Wert von 100 starten. Jedes Jahr erzielt jedes überlebende Unternehmen eine zufällige Rendite aus einer Normalverteilung und hat eine Ausfallwahrscheinlichkeit. Gescheiterte Unternehmen werden in der «Nur-Überlebende»-Statistik nicht mehr erfasst, bleiben aber in den Gesamtpopulationsdaten. Das Fächerdiagramm zeigt alle Verläufe: Überlebende werden cyanfarben hervorgehoben, während Gescheiterte in der Dunkelheit verblassen — genau wie gescheiterte Unternehmen aus realen Datenbanken und der Medienberichterstattung verschwinden.

Die Bias-Lücke

Das untere Balkendiagramm enthüllt die zentrale Erkenntnis: Die durchschnittliche Rendite der Überlebenden ist deutlich höher als die wahre Durchschnittsrendite aller Unternehmen. Diese Lücke — der Survivorship-Bias — entsteht, weil Unternehmen mit unglücklichen Renditesequenzen eher scheitern. Wenn Sie nur die Gewinner studieren, überschätzen Sie systematisch, wie gut das typische Ergebnis ist. Die gleiche Logik gilt für das Studium erfolgreicher Unternehmer, profitabler Handelsstrategien oder Star-Fondsmanager.

Häufige Fragen

Was ist der Survivorship-Bias?

Der Survivorship-Bias ist eine Form der Auswahlverzerrung, die auftritt, wenn wir nur die Einheiten analysieren, die einen Auswahlprozess bestanden haben (überlebt, Erfolg gehabt, sichtbar geblieben), während wir diejenigen ignorieren, die es nicht geschafft haben. Dies erzeugt ein systematisch verzerrtes Bild, weil die Gescheiterten — die möglicherweise die Mehrheit darstellen — unsichtbar sind. Der Begriff wurde durch Abraham Walds Flugzeugpanzerungsanalyse im Zweiten Weltkrieg populär.

Was ist die Abraham-Wald-Flugzeuggeschichte?

Im Zweiten Weltkrieg wurde der Statistiker Abraham Wald gefragt, wo man Bomber verstärken solle. Das Militär hatte Daten darüber, wo zurückkehrende Flugzeuge getroffen wurden. Während andere vorschlugen, diese Bereiche zu panzern, erkannte Wald den entscheidenden Fehler: Die Daten zeigten nur Überlebende — Flugzeuge, die an anderen Stellen getroffen wurden, kehrten nie zurück. Er empfahl, die Bereiche ohne Einschusslöcher zu panzern — eine brillante Umkehrung, die Leben rettete und zum kanonischen Beispiel des Survivorship-Bias-Denkens wurde.

Wie beeinflusst der Survivorship-Bias das Investieren?

Fondsperformance-Statistiken umfassen typischerweise nur Fonds, die noch existieren. Fonds mit schlechter Performance werden oft geschlossen oder fusioniert, wobei ihre schlechte Wertentwicklung aus der historischen Aufzeichnung verschwindet. Studien zeigen, dass der Survivorship-Bias die berichteten Fondsrenditen um 1–2 % pro Jahr aufbläht. Ebenso erscheinen Aktienindexrenditen höher, weil Indizes gescheiterte Unternehmen entfernen und erfolgreiche aufnehmen.

Wie kann man den Survivorship-Bias korrigieren?

Um den Survivorship-Bias zu korrigieren: (1) Daten von gescheiterten oder ausgeschiedenen Einheiten einbeziehen, nicht nur von aktuellen Überlebenden; (2) Kohortenanalyse verwenden — alle Einheiten von ihrem Startpunkt an verfolgen; (3) skeptisch gegenüber «Lehren von erfolgreichen Unternehmen/Menschen» sein, ohne gleichzeitig die Gescheiterten zu studieren; (4) nach Basisraten fragen — wie viele Versuche scheitern pro Erfolgsgeschichte.

Quellen

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