Was ist der Ankereffekt?
Der Ankereffekt ist eine der stärksten und am weitesten verbreiteten kognitiven Verzerrungen. Erstmals 1974 von Amos Tversky und Daniel Kahneman demonstriert, beschreibt er, wie eine anfängliche Information — der Anker — nachfolgende Urteile unverhältnismäßig beeinflusst, selbst wenn der Anker völlig willkürlich ist.
Das klassische Experiment
In Tversky und Kahnemans Originalstudie drehten die Teilnehmer an einem manipulierten Glücksrad, das entweder bei 10 oder 65 stehen blieb. Anschließend wurden sie gefragt, ob der Prozentsatz afrikanischer Länder in den Vereinten Nationen höher oder niedriger als diese Zahl sei, und dann sollten sie den tatsächlichen Prozentsatz schätzen. Diejenigen, die 65 sahen, schätzten durchschnittlich 45 %, während diejenigen mit 10 nur 25 % schätzten — ein gewaltiger Unterschied, ausgelöst durch eine offensichtlich zufällige Zahl.
Ankern-und-Anpassen-Modell
Dieser Simulator implementiert das Ankern-und-Anpassen-Modell: Jede Person startet beim Anker und passt in Richtung der vermeintlich richtigen Antwort an, doch die Anpassung ist unzureichend. Der Anpassungsfaktor α steuert, wie weit sich die Menschen bewegen — bei α = 0,4 legen sie nur 40 % des Weges vom Anker zur Wahrheit zurück. Der Rauschparameter fügt realistische individuelle Streuung um diesen verzerrten Mittelwert hinzu.
Die Visualisierung verstehen
Das obere Histogramm zeigt die Verteilung der Schätzungen in der Population. Die rote gestrichelte Linie markiert den wahren Wert, die cyanfarbene Linie den Anker und die weiße Linie die mittlere Schätzung. Die Lücke zwischen wahrem Wert und mittlerer Schätzung ist die Ankerverzerrung. Das untere Streudiagramm zeigt einzelne Schätzungen und enthüllt sowohl die Tendenz zum verzerrten Mittelwert als auch die Streuung individueller Variation. Verschieben Sie den Anker dramatisch — bemerken Sie, wie sich die gesamte Verteilung verschiebt, obwohl der wahre Wert sich nicht geändert hat.