Logistische Abbildung: Von Ordnung zu Chaos in einer Gleichung

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Periode ≈ 4 — Periodenverdopplung in Aktion

Bei r=3,5 zeigt die logistische Abbildung einen Periode-4-Zyklus. Die Population oszilliert zwischen vier verschiedenen Werten. Weitere Erhöhung von r führt zu Periode-8, Periode-16 und schließlich vollem Chaos.

Formel

x(n+1) = r · x(n) · (1 − x(n))
δ = lim (rₙ − rₙ₋₁) / (rₙ₊₁ − rₙ) ≈ 4.66920

Einfachheit erzeugt Komplexität

Die logistische Abbildung x(n+1) = r·x(n)·(1−x(n)) ist vielleicht die einfachste Gleichung, die Chaos erzeugt. Ursprünglich als Modell für Populationsdynamik vorgeschlagen — wobei x den Populationsanteil und r die Wachstumsrate darstellt — wurde sie nach Robert Mays einflussreichem Nature-Artikel von 1976 zu einem der meistuntersuchten Objekte der nichtlinearen Dynamik.

Der Periodenverdopplungsweg zum Chaos

Bei Erhöhung des Parameters r durchläuft das System eine bemerkenswerte Abfolge von Übergängen. Für r < 3 konvergiert die Population zu einem einzelnen stabilen Wert. Bei r = 3 wird dieser Fixpunkt instabil und das System beginnt zwischen zwei Werten zu oszillieren (Periode-2). Bei r ≈ 3,449 verdoppelt es sich erneut zu Periode-4, dann Periode-8, Periode-16 und so weiter. Die Intervalle zwischen den Verdopplungen schrumpfen um ein universelles Verhältnis — Feigenbaums Konstante δ ≈ 4,669 — bis bei r ≈ 3,570 die Periode unendlich wird: Chaos.

Das Bifurkationsdiagramm lesen

Das obere Panel zeigt das Bifurkationsdiagramm. Die x-Achse ist der Parameter r, die y-Achse zeigt die Attraktorwerte. Einzelne Linien bedeuten Fixpunkte, zwei Linien Periode-2 und so weiter. Die dichten, dunklen Bereiche sind Chaos. Beachten Sie die Periodizitätsfenster innerhalb der chaotischen Region — besonders das markante Periode-3-Fenster nahe r ≈ 3,83. Die Mathematiker Li und Yorke bewiesen, dass «Periode drei Chaos impliziert», was dieses Fenster besonders bedeutsam macht.

Universelles Verhalten

Was die logistische Abbildung so tiefgreifend macht: Ihr Verhalten ist nicht einzigartig. Jede glatte Abbildung mit einem einzigen Hügel zeigt dieselbe Periodenverdopplungs-Kaskade mit denselben Feigenbaum-Konstanten. Diese Universalität verbindet die logistische Abbildung mit Phasenübergängen in der Physik und liefert eine der tiefsten Erkenntnisse der Chaostheorie: Der Weg von Ordnung zu Chaos folgt universellen Gesetzen.

Häufige Fragen

Was ist die logistische Abbildung?

Die logistische Abbildung ist eine Rekurrenzrelation x(n+1) = r·x(n)·(1−x(n)), die Populationswachstum mit begrenzten Ressourcen modelliert. Trotz ihrer Einfachheit zeigt sie bemerkenswert komplexes Verhalten, darunter Fixpunkte, periodische Zyklen und Chaos.

Was ist ein Bifurkationsdiagramm?

Ein Bifurkationsdiagramm zeigt die Langzeitwerte (Attraktoren) eines dynamischen Systems bei Änderung eines Parameters. Für die logistische Abbildung offenbart es den Periodenverdopplungsweg zum Chaos bei zunehmendem r von 2,5 bis 4.

Was ist Feigenbaums Konstante?

Feigenbaums Konstante δ ≈ 4,66920 ist das Grenzverhältnis zwischen aufeinanderfolgenden Periodenverdopplungs-Bifurkationsintervallen. Bemerkenswert ist, dass diese Konstante universell ist — sie tritt bei jeder eindimensionalen Abbildung mit einem einzelnen quadratischen Maximum auf.

Bei welchem Wert von r beginnt Chaos?

Der Chaos-Einsatz erfolgt am Akkumulationspunkt r ≈ 3,56995. Jenseits dieses Werts ist die logistische Abbildung überwiegend chaotisch, obwohl periodische Fenster (wie das Periode-3-Fenster nahe r ≈ 3,83) durchgehend erscheinen.

Quellen

Einbetten

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